Lilli Marleen

Lillis place for rants and musing about life, universe and the whole rest. Mostly left, mostly sarcastic, sometimes in german, sometimes in Lilli-english.

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As you might see soon, english is not my mothertongue. And since english speaking people are used to others stumble around in their language, I hope I don't make too much of an idiot of myself here. So - my deepest apologies adressed to the English Language for not worshipping her better.

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Dienstag, Mai 24, 2005
 
Stammwähler

Jau - wie immer. Die CDU hat 100% ihrer Stammwähler ins Wahllokal gezerrt, die SPD nur 70%. Super. Also sind wir Wahlkämpfer es mal wieder Schuld, weil die Kulis die falsche Farbe, die Gummi-Peerchen die falsche Geschmacksrichtung und die Luftballons einen zu kleinen Aufdruck hatten?
Drüben bei Nico gibt's Interessantes dazu zu lesen, wobei ich meine, dass er ein wenig zu kurz springt. Denn nicht nur die Motivation der Ehrenamtler ist das Problem, sondern auch und vor allem doch bitte die Definition "Stammwähler".

Wer bitte sind sie denn, diese mysteriösen Stammwähler der SPD? Gibt es sie überhaupt noch, die Arbeiter, die schon seit Generationen SPD wählen "weil man das bei uns so macht"? Fühlen die sich denn von uns überhaupt noch vertreten?

Ich habe da so meine Zweifel.

Auf der einen Seite beschweren wir uns über Politiker, deren einzige Vision darin besteht, an die Macht zu kommen und möglichst lange (und profitabel) auch da zu bleiben. Auf der anderen Seite nominieren wir in den Unterbezirken genau diese windschnittigen Figuren mit abgeschlossenem Studium und schicken sie nach Berlin oder Düsseldoof und sogar in den Stadtrat.
Selbst in meiner Juso Zeit vor ein paar Jahren war ich da immer fast die Einzige, die kein Vollabi hatte, sondern (mind) eine abgeschlossene Berufsausbildung. Juso-Politik war fast immer auch Hochschulpolitik; Studiengebühren haben uns wesentlich mehr beschäftigt, als Qualität und Standards der betrieblichen Berufsausbildung.

Selbst bei uns im OV-Vorstand von 10 Leuten ist ausser mir nur noch eine Rentnerin, die kein Studium hat. Und zu den Zeiten als Mr. Lilli noch für den Stadtrat kandidiert hat, wurde ihm immer wieder vorgeworfen, er habe ja kein abgeschlossenes Studium.

Also wie, bitte, soll diese SPD denn überhaupt in der Lage sein, diese ominösen Stammwähler da abzuholen, wo sie stehen? Was sollen die sich denn denken, wenn der Wahlkreiskandidat nur in Schlips und Anzug auf dem Stand auftaucht und wenn er sich so richtig locker geben will, reisst er den Strick herunter und wirft sich salopp ein Pullilein über die Schultern - natürlich mit Nobel-Label nach oben.
Unsere Programme - formuliert von Rechtsanwälten und Lehrern für .. ja für wen denn? Doch wohl eigentlich für sich selber, denn wenn wir unser Programm für so klasse halten, dann müssen wir doch davon ausgehen, das unsere Wähler uns einfach nicht verstanden haben, oder?

In der Mitte ist einfach nicht soviel Platz. Das Streben der SPD in Richtung Mitte hat uns sicher auch einige Stimmen gebracht, aber viel mehr davon verschreckt, weil sie uns einfach nicht wiedererkannt haben. Wir haben die Leute, die wir (und alle anderen) für unsere Stammwähler halten, ganz schrecklich aus den Augen verloren.
Die, von denen sie eigentlich vertreten werden sollten - die Gewerkschaften - bestehen auch zu weiten Teilen aus Parteifunktionären, die sich auf ihrer einmal gewonnenen Position ausruhen und ausser ihren eigenen kaum noch die Interessen aller Beschäftigten wahrnehmen. Die gehen lieber mit den Chefs auf ne Party anstatt mit den Leuten, die sie immer wieder wählen (jaja, so doof sind wir ja schon), mal ein Bier trinken.

Nicht nur Schröder ist der "Genosse der Bosse", sondern ein großer Teil von uns steht ihm da in nichts nach.

Wenn wir weiterhin diese farb- und visionslosen Polit"Popstars" nominieren, wird sich das auch nicht ändern.

Hier an der Basis habe ich ein riesiges Problem, Leute zu finden, die sich direkt nach dem Weltjugendtag (den haben wir mittem im Wahlkampfgetümmel auch noch) wieder auf die Straße stellen und Kulis, Luftballons und Wahlprogramme (ja Nico, es gibt wirklich Leute, die extra danach fragen und das nicht nur für den Schulunterricht) unter die Leute bringen wollen. Meine Jahresplanung hat sich seit letzten Sonntag auch erledigt, ebenso wie Urlaubsplanung, von der Tatsache, dass dieser zusätzliche Wahlkampf einige Ortsvereine in den finanziellen Ruin treibt mal gar nicht zu reden.

Ich weiss noch nicht, wie ich meine Mitglieder mobilisieren kann. Ich weiss auch noch nicht, wie (welcher auch immer) unser Kandidat das machen will, aber dass es von uns erwartet werden wird, steht völlig ausser Frage.

Irgendwelche Kampas auf irgendwelchen Ebenen werden wilde Ideen und Programme auflegen, wie denn nun "der neue Wahlkampf" laufen soll.
Das Internet wird zum hundersten Mal für kostenkünstigen Wahlkampf entdeckt werden und ansonsten müssen wieder die ran, die nicht bei drei auf dem Baum sind. Und tatsächlich gemacht wird eh das Standardprogramm - ein Stand am Samstag morgen, die letzten vier Wochen vor der Wahl; eine Hausverteilung und Sonntags wieder Zettelchen kleben. Viel mehr wird nicht kommen. Nicht kommen können, denn für wirklich kreative Ideen fehlt es an Zeit (hallo - wir sind Ehrenamtler), Leuten, Geld und oft auch Möglichkeiten.

Wir haben uns schon beschimpfen und bespucken lassen, weil ein paar unserer Genossen sich fett selber bedient haben (klar, Spendenskandal und so, ist ja immerhin Köln).
Wir haben schon für Kandidaten Wahlkampf gemacht, die wir am liebsten tot im Rinnstein gesehen hätten (naja nicht ganz so krass, aber fast).
Wir haben in glühender Sonne, Sturm, Regen und Schnee da gestanden und wie die Zeugen Jehovas den Leuten unsere Schriften versucht anzudrehen (nein, nicht barfuß in Holzschuhen, aber mit dem Bollerwagen!)

Wir werden es auch diesmal irgendwie hinkriegen.
Aber ob das noch Spaß macht, darfst Du echt niemanden fragen.