Lilli Marleen

Lillis place for rants and musing about life, universe and the whole rest. Mostly left, mostly sarcastic, sometimes in german, sometimes in Lilli-english.

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As you might see soon, english is not my mothertongue. And since english speaking people are used to others stumble around in their language, I hope I don't make too much of an idiot of myself here. So - my deepest apologies adressed to the English Language for not worshipping her better.

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Samstag, März 27, 2004
 
Reduzierte Kommunikation II
Also eigentlich muss das Teil I sein, aber egal.
Denn, lange bevor es in Köln den Telefontreff gab, gab es in Köln zwei Kleinanzeigenzeitungen. Nämlich den Marktplatz und die Annonce.
Beide boten etwas, das bis dahin auch in Köln noch nicht so populär war - sie boten die Möglichkeit, kleine Fliesstextanzeigen kostenlos aufzugeben. Solche Zeitungen gibt es überall in Deutschland und überall sind Leute ganz schnell auf die Idee gekommen, dass man nicht nur Autos, Kindermöbel und Sammelalben inserieren kann, sondern auch persönliche Nachrichten.
Im Fließtext kostenlos, jeden Freitag (damals gab es nur eine Freitagsausgabe).
Ich wollte mir damals ein Mofa kaufen und habe mir daher die Annonce (kurz Anno) geholt, Mofa hab ich bis heute keins, aber die privaten Kleinanzeigen dort hatten's mir total schnell angetan.
Da schickten sich also Leute Texte wie: "Zora: Ich weiss eh nicht, wieso Du das machst. Bubu: Danke für den Tipp, hat geholfen! Kürbis: Du schuldest mir ein Bier! Grüße Bobo."
Und so weiter.
Seitenweise.
Was war das? Das können doch nicht alles kryptische Mitteilungen von Großkonzernen an Erpresser sein?
Es handelte sich um einen festen Kern von ca. 50 Leuten aus dem Köln/ Bonner Raum, die diese Zeitung nutzten, um sich wöchtentlich lustige, schmachtende, auf jeden Fall gute Kurztexte zu schicken.
Klar - war ich sofort dabei! Also: zuerst einmal ein paar Wochen mitlesen, da hatte ich schon gewisse Vorlieben und Abneigungen entwickelt, dann ein möglichst gutes Pseudonym ausdenken und loslegen.
Das klappte gut, da sich diese Gruppe erst gerade gefunden hatte.
Man muss sich das einfach mal vorstellen - da hast Du eine ganze Woche rumformuliert, überlegt, verworfen, wieder rausgekramt und gefeilt, um dann letztendlich einen Dreizeiler optimal abzuliefern. Das war echt Arbeit. Und natürlich wollten wir alle so originell wie möglich sein.
Waren wir auch.

Getreu meines Modells der Entwicklung von Gruppen, durchliefen wir auch brav alle möglichen Phasen. Zuerst die totale Euphorie, nette Leute gefunden zu haben, mit denen man sich Woche für Woche ein wenig messen konnte. Dann trafen wir uns jeden Freitag im Schmeller's in Köln (gibt's auch schon lange nicht mehr...) auf ein paar Bier und trabten zügigst die nächsten Phasen durch. Es wurde gebaggert, was das Zeug hält - es war Ende der 80er, AIDS war noch immer ne Krankheit für Schwule und Nutten und ich war mit gerade 18 eine der jüngeren.... (flööt). Pärchen fanden und trennten sich. Und natürlich bekam man Streit untereinander. Sei es, weil Wusel der Zora reihenweise die Kerle ausgespannt hat (aus purer Gemeinheit), oder weil Woodstock sich nicht zwischen den Brüdern Jesus und Roadrunner entscheiden konnte, weil d.u.s. Die Freundin von Bobo beleidigt hat, oder einfach weil Uisge das Bier von Frosch ausgesoffen hat. Und so gingen wir fröhlich in die nächsten Phasen über, bis zum Schluss nur noch Splittergrüppchen miteinander konnten, und eine große Gruppe „abwanderte“ und ihre Zelte beim Marktplatz – der anderen Zeitung in Köln – aufschlug.
Auch okay.

Die neuen waren uns natürlich immer suspekt, denn die konnten ja nix sein, wenn sie nicht schon mindestens so lange dabei waren, wie wir selber. Und damals war schon immer alles besser. In den alten Zeiten – auch wenn die nur ein paar Wochen her waren – hat auch das Annoncieren mehr Spaß gemacht und das Bier war frischer und die Kellner hübscher und überhaupt.
Und könnt Ihr es raten? Die Neuen haben auch damals die Zeitung nicht kaputtgemacht, sondern sie waren das, was wir alle waren. Die Arschlöcher haben sich genau so benommen, die Netten und die Langweiligen auch. Bei den meisten bekam man das wirklich schon über das Geschriebene mit. Du hattest immerhin ne komplette Woche Zeit, Dir ne Antwort auszudenken. Das ist masig Zeit genug, sich total zum Deppen zu machen, kleine Andeutingen komplett falsch zu verstehen und todlangweilig und platt zu baggern.
Ich meine – das war schon witzig. Wer wird nicht in der Bahn komisch angeschaut, wenn er sich auf dem Sitz vor Lachen windet, fast unter sich näßt und das mit einer Anzeigenzeitung in der Hand??
Wir hatten wirklich weltbewegende Dialoge, natürlich gings meist um das Zwischenmenschliche, aber das ist in dem Alter ja auch das Wichtigste, oder?

Anyway, was ich damit sagen will (ausser dass es mir Spaß macht, an die Zeit zurück zu denken), ist, dass auch schon damals Leute dieses Kommunizieren ohne die Hilfe von Akustik und Mimik zu haben zelebriert haben. Es kann einen Höllenspaß machen. Kann natürlich auch in die Hose gehen, wie viele Newsgroups ausgiebig zeigen. Okay, das war damals natürlich durch die „Zensur“ der Setzer ausgeschlossen, die den gröbsten Mist von vornherein abgefangen und einfach nicht getippt haben.

Ich weiss, dass es solche Runden über ganz Deutschland gab, ich hab aber keine Ahnung, ob das heute noch einer macht. Ich glaub nicht – Mailingslists sind billiger. Auch wenn sie schneller sind und damit dieses Zeit haben und Zeit nehmen wegfällt. Was ich schade finde. Naja, das war vor ca. 20 Jahren, heute möcht ich das so alles auch gar nicht mehr machen müssen.

Und wieso ist „Winds of Change“ der größte Schmusehit? Was für ein Blödisnn!! Das ist doch „Time after Time“ von Fräulein Lauper.