Lilli Marleen

Lillis place for rants and musing about life, universe and the whole rest. Mostly left, mostly sarcastic, sometimes in german, sometimes in Lilli-english.

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As you might see soon, english is not my mothertongue. And since english speaking people are used to others stumble around in their language, I hope I don't make too much of an idiot of myself here. So - my deepest apologies adressed to the English Language for not worshipping her better.

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Donnerstag, März 25, 2004
 
Heul doch, oder...
der Mythos von den Neuen, die immer alles kaputtmachen.

Ich hab da ja so meine wilden Theorien über die Entwicklungen von Gruppen. Hab ich glaub ich auch schonmal zu salbadert.
Und ich hab ja auch so ein Faible für reduzierte Kommunikation, also eine Kommunikation, bei der mindestens eine Ebene ausgeschlossen ist.

Schweifen wir mal so richtig ab:
Hier in Köln gab es Ende der 80er zwar noch kein Internet, aber den Telefontreff. Telefon gabs nur von der Post und mobile phones hatte noch keine Sau. Man stand noch stundenlang in Telefonzellen rum (natürlich immer bei Eis und Schnee), wenn einem die Post mal wieder den Anschluss abgeklemmt hat (flöööt).
Also, ganz am Anfang war das eine Art Experiment, bei dem in einer Konferenzschaltung 8 Leute zusammengeschaltet wurden, die sich dann miteinander unterhalten konnten. Wann immer jemand auflegte, konnte der Platz neu besetzt werden. Neue Teilnehmer wurden durch einen Gong angekündigt.
Nach einiger Zeit hat die Post gemerkt, dass man damit richtig Kohle machen kann und unter den Nummern 900 - 907 konnten Teilnehmer aus dem Kölner Ortsnetz sich also in diesen Telefontreff einwählen und dort jeweils mit bis zu sieben anderen Leuten reden.
Nach kürzester Zeit gab es - natürlich - Grüppchen, die sich immer unter der selben Nummer (900 oder 901 oder so) einwählten, mit mehr oder weniger phantasievollen Namen auftraten - ich erinnere mich noch an Wolldecken Frank, Bauknecht, den Papst und den Messdiener oder das Morgenmagazin, die Wilde13, die rote Zora und ihre Bande - und sich über Gott und die Welt unterhielten. Es gab also feste Klübchen, die sich immer auf einer "Leitung" trafen und natürlich traf man sich auch in 3D, es wurde geflirtet, gevögelt, geheiratet und natürlich auch gestritten. Die ersten Leute wurden gekündigt, weil sie vom Arbeitsplatz aus den ganzen Tag telefonierten, die ersten Leute wurden verhaftet, weil sie über den Telefontreff Hehlerware verkauft haben und was noch alles mehr.
Jede "Leitung" hatte ihr Stammpublikum, mit Chefs, Dorfdeppen und allem dazwischen.

Diese Cliquen entwickelten sich auch sehr schnell, weil ständig von Außen neue Leute nachdrängten. Dort konnte man die IMO typische Kurve super gut beobachten.
Phase 1: Neue Clique findet sich, alle sind euphorisch und finden es sooo klasse.
Phase 2: Die ersten Paare und engeren Freundschaften bilden sich.
Phase 3: Die Clique "trifft" sich jeden Tag/ jedes Wochenende und unternimmt Dinge zusammen über das Medium hinaus.
Phase 4: Die Clique schirmt sich nach Außen ab - es gibt ein Wir-Gefühl das eifersüchtig bewacht wird.
Phase 5: Die ersten Paare trennen sich wieder.
Phase 6: Die Qualität eines Mitgliedes wird daran bewertet, wie lange seine Mitgliedschaft besteht.
Phase 7: Die Streits untereinander steigern sich und die Zahl der Mitglieder die man nicht mag, übersteigt die Zahl derer, die man mag.
Phase 8: Die ersten meist heimlichen Treffen von "Splittergruppen" finden statt.
Phase 9: Die Motivation zur Teilnahme ändert sich rapide. Früher wollte man dabei sein, jetzt will man nur noch sichergehen, dass keiner über einen redet.
Phase 10: Die Gruppe zerfällt.

So, oder so ähnlich habe ich das jetzt schon in einigen Zusammenhängen erlebt, und ich denke, das was sich so selber als die Deutsche Blogosphäre bezeichnet, durchlebt auch diese oder ähnliche Stadien. Ich würde mal sagen, man ist so bei Phase 7 angelangt. Das Wir-Gefühl wird immer noch massiv bewacht, und alle, die nicht das tolle selbstgestrickte Weblog mit Kalender und richtigen Kontent haben, sind sowieso keine Blogger. Und wenn die dann nichtmal ein Buch geschrieben haben, oder wenigstens das geschriebene Buch nicht angemessen wertschätzen, dann sind die eh komplett raus.

Dann kommen wir zu dem Mythos "Die blöden AOL User machen das Internet kaputt (und früher war sowieso alles besser)".
Als ich noch bei Compuserve war und die noch nicht zu AOL gehörten, haben wir das auch immer gesagt, wenn wir einen besonders dämlichen User hatten. Oder wenn nach Weihnachten die ganzen X-mas Modems getestet wurden und uns die Leitungen verstopft haben. Aber - ob mans glauben will oder nicht, bisher hat die WebWelt auch trotz immer mehr AOL Usern noch recht gut funktioniert. Ich muss sie nicht mögen, aber es ist doch eigentlich schon klar, dass der durchschnittliche AOL User nicht dämlicher ist als der von der Telekom, netcologne oder .mil oder was sich sonst so auf den Blogs tummelt, oder?
Die dümmsten Idioten lesen keine Blogs.
Die triffst Du vielleicht in Chats oder auf irgendwelchen Match-Seiten oder so, aber nich tin Weblogs. Und was bitte sollen die denn kaputtmachen? Blogs, die ich nicht mag, verschwinden in meinem persönlichen Orkus, wo ist das Problem?

In Diskussionen habe ich es immer wieder erlebt, dass so richtig die Sau erst rausgelassen wird, wenn man sich besser kennt (Phase 4 -5 und weiter). Beleidigungen machen nur Spaß, wenn ich auch sicher sein kann, dass sie ankommen und treffen.
So ins Blanke rein einfach "IchfickeDeineMutterundüberhauptbistuscheisse!" zu beleidigen kommt doch gar nicht an.
Die meisten Blogger haben Comments, die sie notfalls selber löschen können, also weg mit Müll!
Übrigens - nur wenn man sich ein wenig kennt, macht es auch nur Sinn, sich zu beleidigen, nur so macht es Spaß, sich gegen irgendwen aufzulehnen oder den Dorfdeppen mal wieder so richtig auszuschmieren, oder?

Dieser Telefontreff hat mich echt Jahre meines Lebens gekostet, aber ich hab auch ne Menge Leute da getroffen, die mir heute noch sehr lieb sind.